Bären beim Zelten: So entkam ich damals einem Bärenangriff

Bären beim Zelten, ein Traum von Natur. Wer den ultimativen Outdoor-Kick sucht, der zeltet auch mal in abgelegenen Regionen. Ein Traum, der schnell zum Albtraum werden kann, wenn man plötzlich einen Braunbären vor dem Zelt hat. Mobilfunk und Fluchtauto: Fehlanzeige. Der US-Amerikaner William Drummond erzählt, wie er als Teenager einen Bärenangriff überlebt hat – im Jahre 1974!

Was soll ich am besten tun, wenn beim Zelten plötzlich ein Bär draußen herum schnüffeln würde?

William Drummond hatte eine Begegnung der dritten Art mit einem Bären… Als Kind. Im Zeltlager.

Es war im Sommer vor 45 Jahren in der Nähe des Nordpols in Alaska. William Drummond war vielleicht gerade mal 10 Jahre alt und nahm ganz stolz an seinem ersten Pfadfinderlager teil.

Eines nachts wurde William von einem der Jungs aus seinem Zelt geweckt. Ganz panisch und verängstigt flüsterte dieser:

„Da ist ein Bär!“

William richtete sich auf und hörte dann auch laute Geräusche auf dem Lagergelände.

Die beiden Jungs weckten die anderen mit einem Zisch-Signal, um Panik und Krach zu vermeiden. Dann spähten sechs der Jungen aus den Zeltklappen heraus und erblickten ihn dann: Einen Grizzly Bär. Er schnüffelte und wühlte durch die Sachen.

Der Bär näherte sich langsam dem Zelt des Senior Patrol Leader.

Der Bär schlug gegen das Zelt. Das Zelt hatte einen Boden, was damals zu Beginn der 1970er Jahre noch ganz neu und modern war.

Der Senior Patrol Leader schrie verärgert auf. (Wahrscheinlich dachte er da noch, es handele sich um einen bösen Jungen-Streich). Der Bär schnüffelte dann am Zelt und schlug dann erneut zu. Ein weiterer Schrei, doch diesmal nicht vor Verärgerung. Dann biss der Bär die eine der tragenden Stangen des Zeltes und zog das geschlossene Zelt (mitsamt Inhalt) dann nach hinten.

Zwar leugnete es der Senior Patrol Leader, aber alle wussten, dass er derjenige war, der nachts die Kekse und Snacks in sein Zelt nahm, um die Vorräte vor den neuen Pfadfindern zu schützen. Offensichtlich wurde der Bär aber genau von diesen Leckereien angelockt und deswegen zog der Bär alle Snacks – zusammen mit dem Senior Patrol Leader – aus dem Lager. Das konnten die Jungen nicht mit ansehen.

Die sechs Jungen stürmten – nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet – brüllend und grölend aus dem Zelt heraus und bewarfen den Bären mit allem, was sie finden konnten. Daraufhin richtete sich der Bär auf und signalisierte damit, dass er gerade entscheidet, ob er fliehen oder angreifen will. Dann traf ihn William mit einem Stock genau zwischen den Augen und der Bär floh dann samt Zelt, den Snacks und den Senior Patrol Leader.

Der Bär zerrte das Zelt samt Inhalt einen Weg entlang.

Bergauf, bergab, über Dreck und über freiliegende Steine. Obwohl der Bär sich schnell bewegte, ließen ihn die sechs Jungen nicht aus den Augen. Sie beobachteten, wie der Bär das Zelt in Richtung des nahe gelegenen Wildwasserflusses zerrte.

Taktisch gut für den Bären, denn er konnte problemlos durch das Gletscherwasser schwimmen und auf die andere Seite des Flusses fliehen. Das Problem war, dass selbst zur Sommerzeit die Wassertemperatur des Flusses nicht wärmer als 6°C wurde. Dazu kam noch, dass der Fluss eben wild war und es einem Menschen das Schwimmen nicht unbedingt leicht machte.

Im Lager blieb der Angriff des Bären natürlich nicht unbemerkt. In der Zwischenzeit erwachten die Erwachsenen und anderen Pfadfindern und erfuhren dann, was passiert war.

Die Jungen liefen parallel zum Fluss, hoch besorgt um ihre Snacks – und natürlich um ihren Senior Patrol Leader. Voller Adrenalin waren die Jungen in der Lage, mit dem Bären Schritt zu halten.

In einer Lichtung zwischen Baumgruppen am Flussufer erkannten die Jungen dann die Chance, den Bären noch einmal zu sehen. William warf mit einem Stein nach dem Bären und traf ihn genau zwischen Kopf und Hals.

Daraufhin stolperte der Bär. Angespornt von Williams Erfolg, begannen dann die anderen Jungen, den Bären ebenfalls mit Steinen zu bewerfen.

Der Bär wurde zornig.

Er ließ das Zelt dann fallen, richtete sich auf und ging auf seinen Hinterbeinen auf die Jungen zu. Er „flatterte“, als er brüllte. Höchste Alarmstufe.

Inzwischen hatte Williams älterer Bruder die Jungengruppe eingeholt. Die beiden spielten beide Baseball William dachte: „Das ist jetzt unsere letzte Chance, die Snacks und die SPL zu retten.“

William rief seinem Bruder zu: „Fastball [Anm.: die schnellste Art, einen Baseball zu werfen] zwischen den Augen.“ William und die anderen Jungen beschossen den Bären treffsicher mit weiteren Baseball-Fastballs auf den Körper. Endlich gab der Bär auf, wandte sich ab und floh in den Fluss.

Die Snacks hatten die Attacke allerdings nicht sonderlich gut überstanden. Sie lagen zerquetscht und in Stücke gerissen. Die Jungen fanden den Senior Patrol Leader leicht verletzt vor, aber William und die anderen Jungen konnten Erste Hilfe leisten – auch das lernt man in einem Pfadfinderlager.

Das Zelt des Senior Patrol Leader war ziemlich gerissen. Sein Vater war der Scoutmaster (so was wie der Boss) eilte an die Unfallstelle herbei, nachdem die Jungen seinen Sohn aus den Zeltfetzen befreit hatten. Wohl aus Scham und Schreck erklärte der Senior Patrol Leader seinem Vater gegenüber, er sei von geworfenen Steinen getroffen worden, daher seine Wunden. Dass er sein Unglück selbst herbei geführt hatte, indem er die Snacks bei sich gehortet hatte, verschwieg er natürlich, um vor den Jungen nicht das Gesicht zu verlieren. (So war das damals in den 1970’er noch…)

Williams Tipps: Wie verhaltet man sich bei einer Begegnung mit einem Bären beim Zelten

Erstens, versuche nie einem Bären wegzulaufen, denn sie können innerhalb kürzester Zeit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen und diese Tempo 3 Kilometer weit beibehalten. Davon hast du Angst und das Adrenalin hält nicht lange an. Und dann wirst du schnell müde.

Vergiss nicht, dass der Bär 1,20m lang ist. Die 50 km/h kann er auch bergauf und durchs Gestrüpp halten. Ein Baum ist auch kein Schutz, denn er kann auch klettern.

William meint, die einzige Möglichkeit, einem Bären in einem Rennen zu entkommen, besteht darin, schneller zu sein als die langsamste Person in deiner Gruppe. Denn dann schnappt sich der Bär die langsamste Person und nicht dich. (Ist aber nicht so nett. Welche Eltern würden schon so denken?)

Bären beim Zelten: Fazit

Horte deine Lebensmittel weit weg von deinem Lager und halte dich nur dort auf, wo es erlaubt ist. Eine Begegnung mit einem Bären endet meistens tragisch – für dich.

In der heutigen Zeit ist alles etwas sicherer geworden. In den USA gibt es Ranger, die per Video-Überwachung nach Bären ausschau halten und dich warnen, noch bevor du selbst mitbekommst, dass sich ein Bär in deiner Nähe befindet. (Lies auch diese Geschichte).

Respektiere den Lebensraum von wilden Tieren, dann wirst du auch nicht zu deren Beute und begegnest auch keinen Bären beim Zelten.

Bären sind opportunistische Menschenfresser. Das heißt, dass du zwar nicht ihre Lieblingsspeise bist, aber sie auch nicht nö sagen, wenn sie gerade Lust auf einen kleinen Happen zwischendurch haben und du ihnen gerade vor der Nase herumläufst.

Übrigens sind sie beim Fressen mit die grausamsten Tieren, die man sich vorstellen können. Sie essen dich bei lebendigem Leib auf und dein Geschrei interessiert sie überhaupt nicht. Dich zu töten macht ihnen viel zu viel unnötige Arbeit. Stattdessen halten sie dich einfach auf dem Boden fest und beißen Stück für Stück von dir ab.

Ehrlich gesagt würde ich nie in einem Bären-Gebiet zelten oder mich dort unnötig aufhalten.

Auch eine schöne Begegnung mit einem Bären hatte ein Mountainbiker im Wald. Siehe selbst:

Weiterführende Links:

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