Tarp für Hängematten: Anleitung für Anfänger

Ein gutes Tarp ist das Dach einer Hängematte. Hier gibt es eine ausführliche Anleitung mit Abbildungen, die zeigen, wie man das richtige Tarp für die Hängematte auswählt. Außerdem erfährst du hier, was eine Ridgeline ist und wie man das Tarp zusammen mit der Hängematte sturmsicher und materialschonend aufhängt.

Nicht nur die Größe des Tarps spielt eine wesentliche Rolle, sondern auch die vielen Möglichkeiten, ein Tarp für die Hängematte zu konfigurieren.

Der US-Amerikaner Derek Hansen ist Profi im Bereich Hammock und lehrt in seinem schön illustrierten Buch (engl.) alles zum Thema Hängematten. Dieser Artikel lehnt sich an seine Erkenntnisse und seiner jahrelangen Erfahrung an.

Entscheidungskriterien für Tarps für Hängematten

Ein großer Vorteil eines Tarps besteht darin, dass man unter widrigen Bedingungen – Regen, Schnee, Wind – zuerst das Tarp aufbauen kann, um die Ausrüstung darunter trocken zu lagern. Anschließend kann man völlig stressfrei das Hängematten-System im Schutz des Tarps einrichten.

Bei der Entscheidung für ein Tarp sollte man folgende Faktoren beachten:

  • Gewicht
  • Abdeckung
  • Vielseitige Aufbaumöglichkeiten (Anzahl der Fixierpunkte bzw. Abspann-Schlaufen)
  • Haltbarkeit des Materials
  • Packmaß

Viele Hersteller bieten Tarps ausdrücklich für Hängematten an. Allerdings eignet sich fast jedes Tarp für die Hängematte, solange es genau die Abdeckung bietet, die man braucht.

Lieber nicht…

Die einzige Art von Tarps, die sich hier nicht eignen würde, wären die PP/PE-Gewebe-Tarps, die man eher im Garten als Abdeckung von Holzscheite findet.

Diese Tarps sind zu steif, die Ösen weniger robust und reißen unter Spannung und Belastung schnell ein. Vor allem sind sie ziemlich laut, wenn sie im Wind flattern – und das kann einen nachts schon mal um den Schlaf bringen.

Diese Tarps eigenen sich aber gut als Bodenplane zum Schutz gegen Nässe.

Tarp-Typen für Hängematten

Asymmetrische Tarps

Tarp ASYMMETRISCH

Asymmetrische Tarps sind von der Form her ein Parallelogramm. Das heißt, dass jeweils die gegenüber liegenden Seiten gleich lang sind. Anders als bei quadratischen oder rechteckigen Tarps sind die Winkel nicht alle 90°, sondern nur die jeweils gegenüberliegenden Winkel. Um einen maximalen vor dem Regen zu gewährleisten, muss man sich ausnahmsweise nicht angewinkelt, sondern gerade, in einer Linie, mit dem Tarp legen.

Sie sich leicht zu tragen, bieten aber den geringsten Schutz vor Nässe.

Einsatz: Asymmetrische Tarps eignen sich für den Einsatz in regenarmen Regionen und dienen eher als Sonnensegel. 

Diamond Tarps

Tarp DIAMOND

Für eine Diamond-förmige Tarp-Aufhängung braucht man ein quadratisches Tarp, bei dem alle Seiten gleich lang sind. 

Diamond Tarps müssen an nur 2 Punkten seitlich abgespannt werden. Sie sind auch sehr leicht zu tragen, bieten aber eher geringen Schutz vor Regen. Quadratische Tarps lassen sich auf zahlreiche Arten aufbauen, da sie meistens eine Vielzahl von Fixierschlaufen haben. 

Diamonds bieten guten Schutz, wenn sich die seitlichen Flügel möglichst nah an der Hängematte abspannen lassen. Dies erfordert aber eine entsprechende Größe.

Einsatz: Diamond Tarps sind eher für regenarme Regionen geeignet. Je größer, umso besser, aber auch umso schwerer.

Hexagonal bzw. Cat Cut Tarps

Hexagonale Tarps sind – wie der Name schon andeutet – sechseckig und bieten bei moderatem Gewicht einen recht zuverlässigen Schutz für die Hängematte.  

Einer der Vorteile eines hexagonale Tarps ist, dass die Ridgeline lang gezogen ist und damit einen besseren Schutz für die Hängematte bietet, da es an der richtigen Stelle Schutz bietet. Anders als bei asymmetrischen und Diamond-Aufhängung wird ein hexagonales Tarp normalerweise an 4 Abspann-Schlaufen an den Seiten befestigt.

Die bogenförmigen Kanten ergeben eine gute Spannung und sparen dort Stoff ein, wo er bei der Hängematte ruhig fehlen darf. 

Einsatz: Hexagonale Tarps eignen sich für den Einsatz bei Regen, allerdings weniger bei stürmischem Wetter.

Rechteckige Tarps

Tarp RECHTECK

Rechteckige Tarps haben – anders als die rein quadratischen Tarps – jeweils 2 gleiche Seiten, die sich gegenüberliegen.

Für die größtmöglichen Schutz der Hängematte sollten sie gleichmäßig über die Ridgeline gelegt und an den 4 Ecken abgespannt werden. Anders als bei der hexagonalen Form, sind die Seiten gerade und können auch gleichmäßig und winddicht direkt am Boden befestigt werden. 

Falls Abspann-Schlaufen auch auf der Tarp-Fläche verfügbar sind, können diese genutzt werden, um den “Innenraum” zu vergrößern, während die “Flügel” fast geschlossen werden können.

Einsatz: Rechteckige Tarps bieten auch bei bei anspruchsvollem Wetter mit Wind und Regen guten Schutz, bringen aber auch entsprechend mehr Gewicht auf die Waage. Je näher die Seiten an der Hängematte anliegen, umso größer der Schutz. 

4 Season Tarps

Tarp 4 SEASON

Tarps mit vollständiger Abdeckung („4 Season“/Winter) eignen sich am besten zum Camping in allen vier Jahreszeiten, wenn man maximalen Schutz vor Witterungseinflüssen benötigt.

Um die Hängematte rundum “einzuschließen”, verfügen 4-Season-Tarps über zusätzliche „Türen“ an den Enden des Tarps, die nach innen geklappt werden können. Wer schon ein gutes Tarp rechteckiges Tarp besitzt, kann diese „Türen“ nachträglich als optionale Erweiterung zu herkömmlichen Hexagons- oder Cat-Cut-Tarps kaufen.

Neben eines Rundumschutzes vor Wind und Wetter bieten 4 Season Tarps auch ausreichend viel Schutz vor neugierigen Blicken, um sich beispielsweise umzuziehen.

Große Tarps mit zusätzlichen Fixierpunkten bieten viele Aufbauvariationen, um den besten Schutz für die Hängematte zu sichern. Allerdings können die vielfältigen Aufbau-Techniken manchmal eine große Herausforderung werden.

Die Kehrseite von großen Tarps

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass große Tarps auch mehr Gewicht bedeuten und zusätzliches Zubehör (z. B. Pfähle, Guylines) benötigen.

Unter moderaten Bedingungen kann fast jedes Tarp für eine gute Abdeckung, Belüftung und Privatsphäre modifiziert werden.

Selbst (große) Regenponchos können im Notfall als asymmetrisches Tarp verwendet werden. 

Kleinere, leichtere Tarps, die man schnell aufbauen kann, schützen unter widrigen Bedingungen leider nicht besonders gut. Dagegen lassen sich Tarps mit optimalem Regenschutz schwerer tragen und der Aufbau ist komplizierter. 

Bei der Wahl des richtigen Tarps sollte man auch beachten, dass ausreichend viele Fixierpunkte (Abspann-Schlaufen) vorhanden sind. Quadratische oder rechteckige Tarps mit mehreren Fixierpunkten bieten mehr Aufbau-(Pitching-)Optionen an als andere Tarps.

Beispiele: Unigear (verfügbar in den Größen: 3 x 3m, 4 x 3m, 5x3m) oder Aqua Quest Defender (verfügbar in den Größen: 3 x 2m, 3 x 3m, 4x3m, 4.5 x 4.5m).

4-Season-Tarps für die Hängematte

Vorteile

Nachteile

Die richtige Größe für das Tarp wählen - die Grundsätze

Unabhängig von der Art des Tarps sollte man sicherstellen, dass das Tarp zwischen 15 und 30 cm über die beiden Enden der Hängematte hinaus ragt. 

 

Wird ein 2,4 × 3 m großes Tarp um ~ 39 ° gedreht (asymmetrisch), liefert es eine Ridgeline (First, Gratlinie) von fast 4 Metern (3,84 m). Dies würde theoretisch eine ausreichende Abdeckung für nahezu jede Hängematte bieten. 

Allerdings sollte man beachten, dass eine Hängematte bei ordnungsgemäßer Verwendung durchhängen muss. Das heißt, dass eine 3 m lange Hängematte im aufgehängten Zustand, von Spitze zu Spitze, etwas mehr als 2,4 m aufweist. 

Beachte: Man liegt im Winkel zur Ridgeline, nicht parallel. Siehe auch: Richtige Hängematte finden und montieren: so geht’s!

Tarp für Hammock - 2,4x3m Tarp 4m Ridgeline
Tarp von oben

Die Größe des Tarps und ihr Schutz für die Hängematte

Tarp für Hängematte Ridgeline
Aus der Vogelperspektive: Unterschiedliche Tarpgrößen bieten unterschiedliche Abdeckung für eine Hängematte

Die Tarpgrößen und ihre maximale Ridgeline

Die unterschiedlichen Tarp-Größen in Relation zur einer Person mit einer Körpergröße von ca. 1,80 m in einer Hängematte. 

Länge (m)Breite (m)Ridgeline (m)
4.003.005.00
3.003.004.24
3.002.003.61
4.004.005.66
3.002.403.84

Was sind Ridgelines von Tarps und wie werden sie verwendet?

Eine Tarp-Ridgeline (Kammlinie, Gratlinie) bildet man durch eine durchgehende Verbindungsleine zwischen 2 Aufhängeposten, über die ein Tarp gelegt und seitlich abgespannt wird. Solche eine Ridgeline sorgt für eine gleichmäßige Aufhängung und guter Stabilität des Tarp.

Die meisten Ridgelines bei Tarps fallen zwei Kategorien: Full Length und End-Only

Full Length Ridgeline

Durchgehende Ridgelines (Full Length) erstrecken sich über die gesamte Länge des Tarps. Sie können entweder unter oder über dem Tarp verwendet werden. 

Bei einer Full Length Ridgeline kann man zuerst die Abspannleine einstellen und anschließend das Tarp entlang der Leine zentrieren. Wenn eine Ridgeline über dem Tarp geführt wird, dann wird das Tarp an dessen Schlaufen an der Ridgeline quasi aufgehängt. 

Vorteile: Full Length​

Nachteile: Full Length​

End-Only Leinen

Bei End-Only-Leinen (nur Ende) handelt es sich um 2 kürzere Leinen, die das Tarp an seinen beiden Enden an den Befestigungsobjekten (Baum, Pfosten…) fixieren.

Aufbau eines Tarp für eine Hängematte

Merke

Die Abspanngurte der Hängematte werden etwas höher befestigt als die Abpannleinen des Tarps.

Bildet man aus der Abspannleine des Tarps eine V-Form (hier blau, zwischen Baum und Tarp), dann kann den Platz innerhalb des “V”s für das Aufhängesystem der Hängematte genutzt werden. 

Dieses “V” schafft genug Raum für die Befestigungen von Tarp und Hängematte, so dass Reibung und Kollisionen der beiden Aufhängesysteme gemindert werden kann. Dadurch wird das Material der Aufhängungen geschont und man hat länger was davon. 

Tarp für Hammock Aufbau
Vogelperspektive: Tarp mit 2 Abspannleinen montieren

Option A: 2 Abspannleinen

2 Abspannleinen, jeweils eine an jedem Ende des Tarps

Zuerst beginnt man, die Leine vom Endpunkt (“Schnabel”) der Plane um die Stütze zu legen und befestigt dann die Leine wieder am “Schnabel” der Plane. 

Das eine Ende der Abspannleine wird im D-förmigen Ring des Tarps fest verknotet, während das andere Ende zu einem verstellbaren Knoten befestigt wird (siehe Video-Anleitung).

Tipp:

Man kann den festen Knoten auch an einen kleinen Karabiner binden und diesen dann an den D-Ring einhängen. 

Der Karabiner dient als “Hilfsglied”, an dem man bequem einen sicheren Knoten außerhalb des D-Rings binden kann.

Tarp für Hängematte montieren Ridgeline
Vogelperspektive: Tarp mit 1 Abspannleine montieren

Option B: 1 durchgehende Abspannleine

1 durchgehende Abspannleine 

Wenn das Tarp über eine durchgehende, lange Leine (Ridgeline) montiert wird, werden beide Enden, nach Bildung eines “V” am Befestigungspunkt (Baum o.ä.) , durch einen verstellbaren Knoten am den D-Ring festgezogen.

Mit dieser Option ist es einfacher, das Tarp zu zentrieren.

Einen verstellbaren Knoten binden:

Das Video ist zwar in englischer Sprache, aber man kann deutlich sehen, was gemacht wird. Der Knoten heißt Taut-Line Hitch (dt.: straffer Leinen-Knoten).

Hängematte unter dem Tarp montieren

Tarp für Hängematte montieren 02
Vogelperspektive: Hängematte montieren

Das wichtigste ist, dass die Gurte der Hängematte über den Abspannleinen des Tarps angebracht werden. Das Tarp liegt im Idealfall fast auf den Gurten der Hängematte auf.

Bei Sturm und Regen kann man die beiden Tarp-Seiten dicht and die Hängematte führen und abspannen. Dadurch wird ein größtmöglicher Schutz vor Wind und Nässe erreicht.

Ansonsten sollte man jede Hängematte mittels Hängematten-Gurte entsprechend der Herstellerbeschreibung befestigen.

Vergewissere dich, dass du die richtige Hängematte hast und diese auch richtig montiert hast. 

Guylines (dt.: Abspannleine oder Zeltleine) bei Tarps

Sobald die Ridgeline des Tarp eingestellt ist, können die Guylines (Abspannleinen) eingestellt werden.

Diamond oder asymmetrische Tarps haben nur zwei Abspannpunkte, was ein schneller Aufbau ermöglicht.

Abspannleinen (Zahl variiert je nach Tarp) von ca. 1,8 m bieten eine ausreichende Länge, um das Tarp an nahe gelegene Stützen oder an einen Wanderstock im Boden abspannen können.

Unter widrigen Bedingungen (Sturm, Regen) sollte das Tarp bodennah abgespannt werden.

Um eine gute Durchlüftung zu ermöglichen oder eine schöne Aussicht zu genießen, kann das Tarp mittels weiterer Abspannleinen oder sogar Trekkingstöcke “geöffnet” werden. Hierfür sollte das Tarp über ausreichend vielen Schlaufen an der Oberfläche verfügen.

Man kann auch eine Seite des Tarp komplett am Boden abspannen, um vor Wind und Regen zu schützen, und die andere Seite je – nach den Bedingungen – im „Verandamodus“ öffnen.

Viele Planen (z. B. solche aus Nylon) dehnen sich während der Nacht oder bei Nässe, was absolut normal ist, aber man sollte das beachten, wenn man vorhat, die Tarp-Seiten möglichst eng an der Hängematte abzuspannen.

Abhilfe verschaffen handelsübliche Spanngummis, die man an der Abspannleine befestigt. Dadurch bleibt die Plane gespannt, selbst wenn sich die Plane ausdehnt.

Tipps:

Bei trockenem und warmen Wetter braucht man eigentlich kein Tarp und kann stattdessen die frische Luft beim Schlafen genießen. (Mückenschutz wäre in bestimmten Monaten auch keine schlechte Idee.)  

Trekking-Stöcke eignen sich hervorragend, um ein Tarp vorübergehend zu öffnen, um zum Beispiel zu kochen.

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